Kategorie: Gedanken

James-Cadle-Flag-of-Earth

Eine Flagge, die die Welt vereint.

Flaggen sind Symbol von Zugehörigkeit und Grenzen. Sie sind Relikt einer nationalistischen Zeit. Doch in einem globalen Dorf, mit Tendenz zur Monokultur, wirken solche Konzepte rückschrittlich. Bereits seit mindestens einhundert Jahren, wurden überall auf der Welt Ideen für Flaggen entwickelt, die die Welt vereinen, statt sie zu teilen.

Eine dieser Flaggen ist die Flag of Earth. James Cadle, ein Farmer aus Illinois entwarf sie 1970, ein Jahr nach der ersten bemannten Landung auf dem Mond. Simpel, reduziert clever; abstrakt und doch konkret, ist dies der für mich bisher beste grafische Ansatz. Aber ungeachtet der optischen Umsetzung: Könnte eine Welt-Flagge eine gestalterische Antwort auf unsere gesellschaftlichen Fragen sein? Auf eine Welt, die zusammenwächst und doch auseinanderstrebt?

Wahrscheinlich hätte die Flag of Earth eine zusammenführende Wirkung. Ähnlich wie das Peace-Symbol oder der Smiley, wäre es ein universelles Zeichen für die Menschheit. Doch seine Botschaft ist altruistischer: Durch die Darstellung der Erde innerhalb des Sonnensystems erinnert uns die Flagge daran, dass wir alle gemeinsam Teil von etwas größerem sind. Ich für meinen Teil, würde mich jedenfalls freuen, die Flag of Earth an den Masten der Regierungssitzen und Botschaften dieses Planeten gehisst zu sehen.

Bauhaus-Brief

»warum groß ſchreiben, wenn man nicht groß ſprechen kann?«

Diese und weitere fragen stellte das bauhaus auf seinen briefbögen, die wie alle ihre drucksachen nach 1925 ausschließlich in minuskeln gesetzt wurden. Das bauhaus forderte in seiner »neuen typografie« eine moderne weltschrift, die radikal auf schnickschnack verzichtet.

»Es gibt kein großes und kleines alfabet. Es ist nicht nötig, für einen laut ein großes und ein kleines zeichen zu haben. Die gleichzeitige verwendung zweier im charakter vollständig verschiedener alfabete ist unlogisch und unharmonisch.«

Herbert Bayer

Und es stimmt: Groß- und kleinschreibung verkompliziert. Sie verdoppelt die anzahl der buchstaben, die leseanfänger lesen und schreiben lernen müssen. Sie erschwert und verlangsamt das Tippen. Sie führt zu Rechtschreibfehlern.

Auch dieser blog schreibt alles klein, vor allem aufgrund der geringeren autorität die kleinbuchstaben ausstrahlen. Aber: Sind großbuchstaben wirklich so unnötig? Im deutschen fällt das argument zwar noch am schwächsten aus, aber großbuchstaben signalisieren satzanfänge weit besser als der punkt. Dieser könnte aus der ferne auch ein komma sein. Damit erleichtert groß- und kleinschreibung das lesen langer texte. Nur gut, dass hier nicht lang umhergeschrieben wird.

Mc-Gurk-Effekt-Mund-sw

der McGurk-Effekt

Wie Marshall McLuhan in seinem Werk The Medium is the Massage herausstellt, entwickelte sich der Mensch durch die Niederschrift der Laute vom akustischen zum visuellen Wesen. Das wir visuelle Wesen sind, können wir selbst durch den McGurk-Effekt testen: Hören wir immer wieder den selben Laut, erhalten dazu aber einen jeweils anderen visuellen Reiz, überwiegt der visuelle Reiz, und verändert unsere auditive Wahrnehmung.

The Medium is the Massage

Das Buch The Medium is the Massage ist ein zukunftsweisender Klassiker von 1967. In ihm beschreibt der Kanadische Kommunikationswissenschaftler Marshall McLuhan, dass die Medien, mit denen der Mensch kommuniziert, ihn selbst prägen. Zum Beispiel beleuchtet er, wie der Mensch vom akustischen zum visuellen Wesen wurde: Durch die Entwicklung des Alphabets und die Niederschrift der Laute.

»The Phonetic Alphabet forced the magic world of the ear to yield to the neutral world of the eye. Man was given an eye for an ear.«

The Medium is the Massage (S. 44) — McLuhan

Auf diese und weitere Aspekte des Buches – welches übrigens wunderbar vom US-Grafiker Quentin Fiore gestaltet wurde – werde ich auf dieser Seite nach und nach eingehen.

EMAF-Star

Im April besuchte ich gemeinsam mit meinen Freunden und einer kubanischen Austauschstudentin das Osnabrücker Filmfestival EMAF. Nicht nur die Filme haben es mir angetan, auch Osnabrück konnte überraschen. Abgesehen vom Drama um den Neumarkt, ist die Stadt an der Hase sehr beschaulich. Doch für heute möchte ich es knapp halten und bei dem Festival bleiben. Ein Werk ist mir nämlich besonders in Erinnerung geblieben: Es ist ein Film vom Österreicher Johann Lurf.

ist ein Film über Sterne. Anderthalb Stunden blitzen weiße Punkte über die Leinwand. Mal begleitet von sphärischem Rauschen, mal von gestückelten Zitaten. Und irgendwann stellt sich einem unweigerlich die Frage: Wieso eigentlich? Doch der Abspann bringt die Auflösung: Die Schnipsel sind eine chronologische Abfolge von Filmen die Sterne zeigen.

Damit ist ★ weniger ein Film über Sterne, als über den Menschen. Der Film bzw. die Schnipsel veranschaulichen unsere technischen Möglichkeiten, Sterne zu beobachten und darzustellen – damit dokumentiert ★ unser visuelles Verständnis des Universums im Laufe der Zeit.

Lone-Nut-no-more

»The first follower transforms a lone nut into a leader.«

In seinem dreiminütigen TED-Talk analysiert Derek Sivers folgende Gruppendynamik: Ein junger Mann tanzt völlig losgelöst auf einer Wiese. Die Umhersitzenden beobachten ihn, und man könnte meinen, der Tänzer entwickele sich mit seiner Einlage zum Gespött der Masse. Doch dann ahmt ihn eine Person nach. Eine dritte und vierte kommt schnell dazu; immer mehr machen mit, bis schließlich eine Massenbewegung entsteht, fast die gesamte Wiese tanzt und die, die sitzen zu Außenseitern werden.

Während des Videos kommt Derek Sivers zu drei wichtigen Erkenntnissen:
• you must be easy to follow
• nurture the first followers as equals
• leadership is overglorified