Linus-Knappe-IMAF

über den Autor:
Linus Knappe

Ich bin Kommunikationsdesign-Student an der Hochschule Düsseldorf, und freiberuflicher Grafiker aus Köln. Gemeinsam mit Lajos habe ich das Musik-Magazin Trommel & Bass gegründet, welches deutschlandweit über die Drum&Bass-Landschaft berichtet. In der Gestaltung beschäftigen mich vor allem die sozialen Dimensionen von Schrift, Bild und Ton.

knappegestaltung.de ist für mich ein Notizbuch meiner Gedanken (schwarz) und Projekte (rot). Für euch ist es vielleicht eine Fundgrube guter Gestaltung mit Haltung.

Bauhaus-Brief

»warum groß ſchreiben, wenn man nicht groß ſprechen kann?«

Diese und weitere fragen stellte das bauhaus auf seinen briefbögen, die wie alle ihre drucksachen nach 1925 ausschließlich in minuskeln gesetzt wurden. Das bauhaus forderte in seiner »neuen typografie« eine moderne weltschrift, die radikal auf schnickschnack verzichtet.

»Es gibt kein großes und kleines alfabet. Es ist nicht nötig, für einen laut ein großes und ein kleines zeichen zu haben. Die gleichzeitige verwendung zweier im charakter vollständig verschiedener alfabete ist unlogisch und unharmonisch.«

Herbert Bayer

Und es stimmt: Groß- und kleinschreibung verkompliziert. Sie verdoppelt die anzahl der buchstaben, die leseanfänger lesen und schreiben lernen müssen. Sie erschwert und verlangsamt das Tippen. Sie führt zu Rechtschreibfehlern.

Auch dieser blog schreibt alles klein, vor allem aufgrund der geringeren autorität die kleinbuchstaben ausstrahlen. Aber: Sind großbuchstaben wirklich so unnötig? Im deutschen fällt das argument zwar noch am schwächsten aus, aber großbuchstaben signalisieren satzanfänge weit besser als der punkt. Dieser könnte aus der ferne auch ein komma sein. Damit erleichtert groß- und kleinschreibung das lesen langer texte. Nur gut, dass hier nicht lang umhergeschrieben wird.

Europa_Hauptstaedte

alle Wege führen zu einer Hauptstadt

Ausgehend von mehreren tausend Startpunkten, führt jede Route auf dieser Karte zur nächstgelegenen Hauptstadt. Dadurch offenbart sich ein neuer Blick auf die Vernetzung Europas. Kleine Länder wie Andorra oder der Vatikan erweitern ihr Gebiet. Deutschland als großes Land mit vielen Nachbarländern wird deutlich kleiner und die Silhouette ist kaum noch erkennbar. Spanien, das Vereinigte Königreich oder die Türkei hingegen, bleiben fast unverändert.

Auf der Unterseite von moovel findet sich auch eine Karte, die alle Wege nach Rom visualisiert.

Mc-Gurk-Effekt-Mund-sw

der McGurk-Effekt

Wie Marshall McLuhan in seinem Werk The Medium is the Massage herausstellt, entwickelte sich der Mensch durch die Niederschrift der Laute vom akustischen zum visuellen Wesen. Das wir visuelle Wesen sind, können wir selbst durch den McGurk-Effekt testen: Hören wir immer wieder den selben Laut, erhalten dazu aber einen jeweils anderen visuellen Reiz, überwiegt der visuelle Reiz, und verändert unsere auditive Wahrnehmung.

The Medium is the Massage

Das Buch The Medium is the Massage ist ein zukunftsweisender Klassiker von 1967. In ihm beschreibt der Kanadische Kommunikationswissenschaftler Marshall McLuhan, dass die Medien, mit denen der Mensch kommuniziert, ihn selbst prägen. Zum Beispiel beleuchtet er, wie der Mensch vom akustischen zum visuellen Wesen wurde: Durch die Entwicklung des Alphabets und die Niederschrift der Laute.

»The Phonetic Alphabet forced the magic world of the ear to yield to the neutral world of the eye. Man was given an eye for an ear.«

The Medium is the Massage (S. 44) — McLuhan

Auf diese und weitere Aspekte des Buches – welches übrigens wunderbar vom US-Grafiker Quentin Fiore gestaltet wurde – werde ich auf dieser Seite nach und nach eingehen.

EMAF-Star

Im April besuchte ich gemeinsam mit meinen Freunden und einer kubanischen Austauschstudentin das Osnabrücker Filmfestival EMAF. Nicht nur die Filme haben es mir angetan, auch Osnabrück konnte überraschen. Abgesehen vom Drama um den Neumarkt, ist die Stadt an der Hase sehr beschaulich. Doch für heute möchte ich es knapp halten und bei dem Festival bleiben. Ein Werk ist mir nämlich besonders in Erinnerung geblieben: Es ist ein Film vom Österreicher Johann Lurf.

ist ein Film über Sterne. Anderthalb Stunden blitzen weiße Punkte über die Leinwand. Mal begleitet von sphärischem Rauschen, mal von gestückelten Zitaten. Und irgendwann stellt sich einem unweigerlich die Frage: Wieso eigentlich? Doch der Abspann bringt die Auflösung: Die Schnipsel sind eine chronologische Abfolge von Filmen die Sterne zeigen.

Damit ist ★ weniger ein Film über Sterne, als über den Menschen. Der Film bzw. die Schnipsel veranschaulichen unsere technischen Möglichkeiten, Sterne zu beobachten und darzustellen — damit dokumentiert ★ unser visuelles Verständnis des Universums im Laufe der Zeit.

Analogisierung_Linus-Knappe

Analogisierung

Gemeinsam mit Lena thematisierte ich in einer Installation von 2015 die Digitalisierung. Durch Beamer und Prismen wird eine digitale schwarz-weiß Animation in ein analoges, farbiges Lichtspiel umgewandelt. Wie bei der Digitalisierung kann der einzelne Mensch den Prozess nicht stoppen, sondern lediglich einige wenige Faktoren (wie den Ort der Umwandlung) bestimmen.

Unter diesem Link gibt es ein Video von der Installation und der Ausstellung: youtube.com/watch?v=CSthVHK09iA

Lone-Nut-no-more

»The first follower transforms a lone nut into a leader.«

In seinem dreiminütigen TED-Talk analysiert Derek Sivers folgende Gruppendynamik: Ein junger Mann tanzt völlig losgelöst auf einer Wiese. Die Umhersitzenden beobachten ihn, und man könnte meinen, der Tänzer entwickele sich mit seiner Einlage zum Gespött der Masse. Doch dann ahmt ihn eine Person nach. Eine dritte und vierte kommt schnell dazu; immer mehr machen mit, bis schließlich eine Massenbewegung entsteht, fast die gesamte Wiese tanzt und die, die sitzen zu Außenseitern werden.

Während des Videos kommt Derek Sivers zu drei wichtigen Erkenntnissen:
• you must be easy to follow
• nurture the first followers as equals
• leadership is overglorified